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Plantahof, Landquart

AuftraggeberKanton Graubünden, vertreten durch das Bau-, Verkehrs- und Forstdepartement, wiedervertreten durch das Hochbauamt Graubünden

ArchitektWalder Nickisch Architekten, Flims

Wettbewerb2017

Planung und Realisierungab 2018

Zwischen Natur und Kultur

Der Entwürfe bildet eine gewachsene Sequenz, deren Wirkung man als eigen bezeichnen kann. Auch wenn sich ihre Eigenart an der Form festmachen lässt, steht dahinter die Auseinandersetzung mit dem Gegenstand des Entwurfs jenseits der Form. Das Verhältnis von Programm und Ort bestimmt hier die Aufgabe und somit die städtebaulichen, architektonischen und landschaftsarchitektonischen Konsequenzen. Das gewachsene Abfolge von Gärten und der wertvolle Baumbestand, die angrenzenden landwirtschaftlichen Kulturen und die weiten Sichtachsen in die Täler sind das Gedächtnis des Ortes. Der Ort will neu gelesen werden, Raumsequenzen wollen bespielt, Blicke bebildert werden. Unsere Absicht ist es, eine weitläufige Anlage von Pflanz-, Nutz- und Kulturgärten einzurichten, die die Wahrnehmung des Ortes verändern und überwinden. 

Safrangarten

Zusammen mit dem Ankunftsplatz ist der windgeschützte Verpflegungs- und Begegnungshof sozialer Treffpunkt und Ort des Austauschs. Ein 12m langer Tisch besetz die Mitte. Locker gestreute Eichen sind ein von weither lesbares Zeichen und verweisen auf den verwunschenen Garten hinter den Mauern und somit sinnbildlich auf das Paradies. Nutzbare Wildarten werden zu einer dichten Sammlung und zu einem farbigen Gartenbild arrangiert. Im Herbst wird der Hof einem Teppich gleich von tausenden Safranpflanzen belegt. Ein einheitlicher steinerner Bodenbelag wirkt verbindend und bietet teppichartig eine Unterlage für den wirkungsvollen Auftritt. Die handwerkliche Machart, die autochthone Materialität, die Art der Verlegung und Formatierung stehen emblemisch für den Geist der Landwirtschaft und die Systematik der Architektur und hauchen dem Ort Leben und Wärme ein.

Speierlinggarten

Umgärtet von Hecken eröffnet sich dem Besucher unter dem feinen Ast-und Laufbwerk der Speierlinge (Sobus domestica) ein weiter Raum. Er dient vor allem abends den temporären Bewohnern als kollektives Gästezimmer, im Herbst wird die wertvolle Frucht zu einem charaktervollen Brand verarbeitet und degustiert.

Sortengarten der Kulturpflanzen

Im Sinne der Gartendenkmalpflege wird der Garten mit einem Laubengang gefasst und berankt und mit geteilten Beeten und Nutzpflanzenkulturen (Mutterpflanzenquartier für Kräuter, Gemüse, Beeren und Obst) belegt. Zur Erhaltung der gefährdete Nutzpflanzen und standortspezifische Kulturpflanzen, die vor dem Aussterben zu bewahren sind, wird eine Sortensammlung nach den Idealen von Pro Specie Rara angelegt.

Obstgärten

Bestehende Obstanlagen werden punktuell erweitert und ergänzt, so dass wieder räumliche Einheiten zusammengefasst werden können. Beispielsweise wird die zentrale Grünfläche samt Spielwiese mit Apfel- und Birnbäumen umfasst, das Auditorium mit einem Aprikosenhain erweitert und somit die Blickachse ins Prättigau fokussiert.

Werkhof – Ästhetik des Pragmatismus

Die Konfiguration des Hofes gründet auf einer Vermengung von rationalen, wirtschaftlichen und ökologischen Aspekten. Die mit einem farblosen Bitumen gebundene Deckschicht wird so modelliert, dass das Platzwasser trichterförmig zu dem zentralen Baumstandort geführt wird. Retentionsringe aus Gräsern und Binsen filtern das gesammelte Platzwasser, bevor es diffus in die Baumgruben geleitet wird. Am wechselfeuchten Standort verdunsten Silberweiden (Salix alba) das überschüssige Wasser. Zwischenzeitlich kann sich bei intensiven Niederschlägen das Wasser auf dem Platz punktuell aufstauen - Kalkspuren setzen sich auf dem Belag ab und verleihen dem Ort bewusst Patina. Mit einer Wildhecke gefasst, folgt der Hof primär den Prämissen der Funktionalität. Parkierungen, Abfahrten, Lager-, Stell- und Werkflächen werden additiv aneinander gereiht.

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